Ich las unlängst einen Artikel über die Primatenforscherin Dian Fossey, der bei mir bezüglich meines Medienkonsums Fragen aufwarf.
Dian Fossey ist 1932 in San Francisco geboren und widmete sich ab 1963 mit Unterbrechungen der Gorillaforschung in Afrika. Sie beobachtete jahrelang mehrere Gruppen von Berggorillas und baute eine Beziehung zu ihnen auf, sodass sie sich an die Menschendame gewöhnten und Dian als eine der Ihren akzeptierte. Die Forscherin baute Freundschaft zu den Affen auf und gab ihnen Namen.
Fossey promovierte zum Doktor der Zoologie und trat später vehement gegen Gorillawilderer ein, die auch einen "ihrer" Affen getötet hatten.
Sie galt als Misanthropin und Exentrikerin und soll dem Alkohol nicht abgeneigt gewesen sein. Beobachter sagen, dass sie oft unter Einsamkeit litt, da sie keine "Menschenfreunde" besaß, was Dian aber hinnahm, denn ihr war die Gesellschaft der würdevollen Berggorillas lieber.
Die Forscherin wurde 1985 tot in einer Wellblechhütte am Fuße eines Berges in Afrika aufgefunden. Es stellte sich heraus, dass der Tierforscher Richard McGuire sie aus Neid erstach und ihre Forschungsarbeiten stehlen wollte.
Nun fragte ich mich natürlich gleich "Wie mag das wohl sein, so ohne Fernseher und Radio, nur mit einem Schreibblock bewaffnet im Dschungel Afrikas zu leben?" Natürlich, ohne Frage, es ist eine außerordentliche Erfahrung, die Gelegenheit zu haben, das Leben der Gorillas zu erforschen und zu beobachten, welche täglichen Rituale und Gewohnheiten Gorillas pflegen. Oder ihnen zu folgen, wenn sie an einen anderen Ort weiterziehen. Da die Forscherin eine Freundschaft zu einigen Affen aufbaute, hat sie diese sicher auch berührt und mit ihnen ein wenig herumgetollt. Das sind einzigartige Erlebnisse.
Doch was geschah, wenn sie allein in ihrer Wellblechhütte war und mit dem Schreiben ihrer Beobachtungen am Tag geendet hatte? Vielleicht saß sie in der Sonne und schaute sich ihre Umgebung an oder sie lag auf dem Bett, während dicke Regentropfen auf das Dach ihrer Unterkunft fielen und laute Trommelgeräusche erzeugten. Das sind sicher die schönen, stillen Erlebnisse, die man sich noch Jahre später ins Gedächtnis ruft. Ich denke aber auch, ihre oben erwähnte Einsamkeit bezog sich nicht nur auf Einsamkeit der Menschheit gegenüber sondern auch der Einsamkeit in den Wäldern Afrikas. An was hat sie gedacht? Was hat sie sonst noch getan, um nicht in depressiven Gedanken zu versinken? War sie vielleicht sogar depressiv, aufgrund der Tatsache, dass sie sich nicht immer über ihre gerade gemachten Forschungen austauschen konnte, wenn sie allein unterwegs war? Wie ging sie mit dieser eher erdrückenden Einsamkeit um?
Ich denke, die jüngere Generation kann sich solch ein Leben nicht in epischer Breite vorstellen. Wir leben in einer zu medialen Welt, in der wir ungern Dinge entbehren, die wir als "nützlich" empfinden, mögen sie auch noch so profan sein. Niemand BRAUCHT Facebook, niemand ein Smartphone, niemand einen MP-3 Player. Das sind weltliche Dinge, die wir Menschen uns schufen, um eine fragile Bequemlichkeit im Alltag zu erreichen, nicht bedenkend, dass auch diese Bequemlichkeiten Arbeit machen. Das einzig nützliche Ding, welches je wirklich für die SCHNELLE Kommunikation geschaffen wurde, war das Telefon. Alle nachfolgenden Erfindungen sind Spielereien und verwirklichte "Kleinjungenträume".
Doch mal ehrlich, wären wir mental und körperlich dazu in der Lage und bereit, im Dschungel überleben zu können? Ich meine jetzt nicht das dauerüberwachte "Leben", welches uns auf dem Sender RTL gezeigt wird. Sondern Leben heißt, sich allein Nahrung suchen, zubereiten (schlachten, ausnehmen, braten, pflücken, waschen, kochen), eine Unterkunft zu bauen und sich zu beschäftigen? Ich glaube nicht. Erstens sind bei einigen wahrscheinlich die Ängste zu groß, ob der Gefahren, derer man sich in der Wildnis aussetzt, andere werden nicht in der Lage sein (mental), auch mal ein Tier zu töten und zum Eigengebrauch zu verwenden (hierzu zähle ganz klar ich) und wieder andere brauchen ständige Rundumbetreuung und -bemutterung durch Freunde und Verwandte...alles keine guten Voraussetzungen für ein Leben in den Wäldern Afrikas.
Was aber hat ein allgemeines Leben im Dschungel mit der medialen Welt zu tun? Ganz einfach: Heute kann alles gegoogelt werden. Meinetwegen auch"Wie nehme ich ein Schwein aus in 5 Schritten." Oder: "Wie baue ich ein einfaches Häuschen aus Bambus mit Palmenblättern?" Nach Anleitung klappt das sicher gut. Aber dort haben wir keine Anleitung, wir sind ggf. ganz auf uns allein gestellt. Und wenn wir zuvor keinen Kurs in "Survival in the Jungle" besucht haben, dessen Lehrmeister wir im Internet ausgekunschaftet haben, werden wir dort wohl elendig verrecken. Zerfleischt vom Panther, oder so.
Ich möchte damit weiterhin sagen, dass wir einfach ein zu verwöhntes Leben führen. Unannehmlichkeiten kennen wir fast nicht mehr. Wir jammern ja schon, wenn uns die Hausverwaltung das Warmwasser für 3 Tage abstellt. Und ja, ich zähle mich auch zu diesen Leuten, nur damit dieser Text nicht falsch verstanden wird. Auch ich bin zu bequem, zu faul, zu feige, zu verwöhnt.
Ach, schöne mediale-digitale Welt, wenn wir dich nicht hätten, wären wir wohl wieder etwas näher an der Realität und der Härte des Lebens. Aber wer will das schon?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen