Fräulein Pummi sitzt in einem Einspänner und sieht dabei zu, wie Stadthäuser im viktorianischen Stil an ihr vorbeiziehen. Eine Dame tritt aus einem dieser Häuser und spannt ihren Sonnenschirm auf, während sie die Steinstufen hinunter auf den Gehsteig tritt.
Die Landschaft gleitet friedlich an Fräulein Pummi vorbei, aber in ihr sieht es ganz anders aus. Nachdem sie Herrn Chillis Brief mehr als fünfzehn Male las, ist sie zu dem Entschluss gekommen, ihn zur Rede zu stellen.
So einfach kommt er ihr nicht davon! Sie nimmt an, dass der Brief nur ein scheinheiliger Vorwand ist, um wieder mit ihr ins Gespräch zu kommen. Jedoch gelang es ihm wie immer nicht, das auf nette Art zu tun. Ihr ist bereits bekannt, dass er sich erst gemein verhält, bevor er sich erneut auf Fräulein Pummi einlässt, um dann irgendwann, wenn es ihm gefällt, einzulenken. Sie aber hat sein Gebaren gründlich satt. Wen glaubt er, vor sich zu wissen? Ein kleines dummes Kind, das jede Art der Behandlung ohne Widerspruch duldet? Sicher nicht! Er hat nie die erwachsene Frau in ihr gesehen, sondern nur ein kleines Mädchen, das er nach seinen Vorstellungen formen wollte. Das ärgert sie zutiefst. Gleichzeitig ist ihr klar, dass sie eine Mitschuld daran trägt, dass Manuri sein Spiel soweit mit ihr treiben konnte, trat sie doch nie effizient genug gegen seine Machenschaften ein.
Fräulein Pummi hat sich bereits in Rage gedacht, als die Kutsche vor Herrn Chillis Haus hält. Sie steigt aus, geht harschen Schrittes auf den Eingang zu und bleibt verdutzt stehen, als Herr Chilli in dem Moment die Tür öffnet, in dem sie die Klingelschnur ziehen will. Er schaut sie an, packt sie am Arm, dreht sie zur Straße um und zieht sie die Eingangstreppe hinunter, der Kutsche entgegegen.
"Dachte ich es mir doch, dass Du wieder angekrochen kommst. Egal wie viele Briefe ich dir schreibe, ich werde dich sowieso nicht los. Also schön, wenn es das ist, was Du willst, dann wirst Du jetzt mit mir kommen."
Mit diesen Worten öffnet er den Verschlag der Kutsche, die noch immer vor seinem Haus hält, da ihr Fahrer sich eine Zigarrenpause gegönnt hat, lässt Fräulein Pummi unsanft einsteigen und setzt sich selbst neben sie. Den schwarzen Stockschirm, der an seinem Handgelenk baumelte und die dunkelbraune Reisetasche schmeißt er achtlos auf den Kutschenboden vor sich, während seine Haushälterin, die die ganze Zeit hinter ihm ging, dem Kutscher den Lederkoffer reicht, den dieser am Hinterteil der Kutsche befestigt.
"Wohin fahren wir?" fragt Fräulein Pummi entsetzt, denn mit dieser Aktion hat sie nicht im Geringsten gerechnet. Ihr Herz rast vor Aufregung und Angespanntheit. Sie weiß nicht, was er mit ihr vorhat, oder was er von ihr will. Ganz zu schweigen davon, dass sie vergessen hat, was sie eigentlich mit ihm bereden wollte.
"In den Süden, das dürfte für den Anfang alles sein, was du wissen musst.", entgegnet Herr Chilli angespannt, denn die Idee, Fräulein Pummi mitzunehmen, entstand in dem Moment, in dem sie vor ihm stand. Er hatte das nicht geplant, noch gewollt. Es ärgert ihn, dass sie ihm zwischen seine geschmiedeten Pläne fährt und gleichzeitig fragt er sich im Stillen, ob er noch ganz bei Trost war, sie einfach so zu schnappen und in die Kutsche zu verfrachten, um sie mitzunehmen. Sie ist nur unliebsamer Ballast, den er nicht gebrauchen kann.
"Warum und wie lange?"
"In sechs Monaten dürften wir zurück sein, wenn alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Und der Rest geht dich momentan noch nichts an."
"Was? Bist du verrückt, lass mich sofort aussteigen! Was soll der Quatsch? Ich habe nichts zum Anziehen dabei und was soll aus meinen Klavierschülern werden?"
"Mein Täubchen", erwidert er mit süffisantem Unterton, "du warst es doch, die wohl beschlossen hat, alles zu ertragen, was ich zu sein beschließe und zu tun gedenke, denn anders kann ich mir Dein Erscheinen vor meiner Tür nicht erklären. Also wirst du jetzt mit mir kommen. Und was aus deinen Schülern werden soll, wenn du nicht da bist? Nun, was würden sie denn tun, wenn du die Pest am Hals hättest, hm? Was deine Kleidung angeht, so wird es sich wohl einrichten lassen, dass wir an Bord einen Schneider auftreiben, der Dir ein paar Fummel an den Leib nähen kann."
Fräulein Pummi ist zu sprachlos, um etwas Geeignetes zu erwidern und fragt gar nicht erst danach, was er mit "an Bord" meint. Sie fahren schweigend in Richtung Zentralbahnhof, um den Zug in die nächste Hafenstadt zu nehmen. Dort geht in drei Tagen die "Arabia" vor Anker, die sie nach Indien bringen wird. Das alles weiß Fräulein Pummi jedoch noch nicht.
Könnte Zorn Gegenstände explodieren lassen, würden Fräulein Pummi und Herr Chilli sich inmitten einzelner Holzbalken, aus denen der Einspänner besteht und vier einsam vor sich hintaumelnden Kutschenrädern wiederfinden, denn ihre aufeinander gehegte Wut dauert noch eine ganze Weile an. Aber Gott sei Dank geschieht das nicht, sodass Beide pünktlich im Zug eintreffen, Herr Chilli für Fräulein Pummi ein neben ihm gelegenes Schlafabteil organisiert und sie sich in ihr Séparée zurückziehen.
Könnte Zorn Gegenstände explodieren lassen, würden Fräulein Pummi und Herr Chilli sich inmitten einzelner Holzbalken, aus denen der Einspänner besteht und vier einsam vor sich hintaumelnden Kutschenrädern wiederfinden, denn ihre aufeinander gehegte Wut dauert noch eine ganze Weile an. Aber Gott sei Dank geschieht das nicht, sodass Beide pünktlich im Zug eintreffen, Herr Chilli für Fräulein Pummi ein neben ihm gelegenes Schlafabteil organisiert und sie sich in ihr Séparée zurückziehen.
Außer morgendlicher Begrüßungsworte sprechen die Zwei kaum miteinander. Und so geht der erste Morgen, den sie gemeinsam am Frühstückstisch im Speisewagen verbringen, langsam vorbei. Fräulein Pummi schält ihr gekochtes Ei, isst dazu ein Marmeladenbrot und lässt sich ein Glas heißen Tees servieren, während Herr Chilli zu seiner morgendlichen Zeitungslektüre einen starken Kaffee trinkt. Außer zwei Scheiben Toast belegt mit Käse und gekochtem Schinken isst er nichts. Fräulein Pummi schaut derweil aus dem Abteilfenster, sieht dabei zu, wie grüne Felder mit fetten Kühen und robusten Pferden an ihr vorbeiziehen und hört dem Geschrei eines Babys, dass von seiner Mutter einige Tische von ihrem entfernt, gestillt wird, zu.
Der Nachmittag verläuft in gleicher Trostlosigkeit. Herr Chilli hat Feechen allein zurückgelassen. Er unterhält sich mit einigen Herren im Rauchersalon, sie dagegen konnte ihm sein mitgenommenes Buch von Dostojewski entlocken und liest eine Weile darin.
Am Abend findet sich eine Dame in Fräulein Pummis Abteil ein, die sie bittet, eine Partie Rommé mit ihr zu spielen. So vergehen die Stunden bis zum zu Bett gehen in ungewohnt rasanter Weise.
Die Tage bis zur Ankunft in der Hafenstadt gleichen sich in ihren Abläufen. Hält der Zug an einem Bahnhof für mehr als zehn Minuten, zieht es Fräulein Pummi vor, auszusteigen und sich in der näheren Umgebung der Bahnstation die Füße zu vertreten, oder sich in einer angrenzenden Straße die Auslagen in den Geschäften anzusehen.
Am dritten Tag nach ihrem für Fräulein Pummi ungeplanten Reiseaufbruch kommen sie endlich an dem von Herrn Chilli geplanten Zielort an und besteigen drei Stunden nach ihrer Ankunft die "Arabia"...
© JanaPetrat
Am Abend findet sich eine Dame in Fräulein Pummis Abteil ein, die sie bittet, eine Partie Rommé mit ihr zu spielen. So vergehen die Stunden bis zum zu Bett gehen in ungewohnt rasanter Weise.
Die Tage bis zur Ankunft in der Hafenstadt gleichen sich in ihren Abläufen. Hält der Zug an einem Bahnhof für mehr als zehn Minuten, zieht es Fräulein Pummi vor, auszusteigen und sich in der näheren Umgebung der Bahnstation die Füße zu vertreten, oder sich in einer angrenzenden Straße die Auslagen in den Geschäften anzusehen.
Am dritten Tag nach ihrem für Fräulein Pummi ungeplanten Reiseaufbruch kommen sie endlich an dem von Herrn Chilli geplanten Zielort an und besteigen drei Stunden nach ihrer Ankunft die "Arabia"...
© JanaPetrat
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