Freitag, 27. April 2012

26.02.2012: Isch ´abe gar kein Guugel


Als ich klein war und morgens die Sonne durch die zugezogene Gardinen in meinem Kinderzimmer schien, lag ich manchmal einfach nur da und sah mir die hellen, gelben "Sonnenflecken" auf dem Teppich an oder nahm die schöne Stille wahr, die an einem Morgen herrscht, wenn die Eltern im Nebenzimmer noch schlafen.
Kein Mucks war zu hören. Irgendwann begann dann der erste Vogel auf dem Baum vor dem Haus zu zwitschern und die Schatten, die die Sonne entstehen ließ, bewegten sich weiter in Richtung Wand. Ich fühlte mich frei, ohne Sorgen, ohne Gedanken und mit einer unglaublichen Leichtigkeit des Seins.
Dieses zarte Gefühl meiner Kindheit stieg am Samstag Morgen auf, als ich in meinem Bett lag. Ich war unbeschwert und hatte seit sehr langer Zeit einmal wieder einen schönen Traum, da meine Traumwelt sonst eher geschädigt ist. Ich schreibe das durchaus dem Entzug des Laptops zu, da sich die Sinne auf andere Dinge, mehr nach außen gerichtet, auf die Umwelt orientiert, verlagern.
Die Verwirrtheit der Gedanken nimmt ab, ich fühle mich konzentrierter. Nicht andauernd, aber merklich mehr. Auch die Beschallung durch meinen MP3-Player, den ich immer mit mir tragen, wenn ich aus dem Haus gehe, habe ich teilweise eingestellt. Das ist schön und an so einem herrlich sonnigen Tag wie heute bekomme ich endlich einmal wieder mit, was um mich herum geschieht. Eltern gehen mit ihren Kindern spazieren, ein jüngeres Pärchen beschwert sich lautstark darüber, dass die Freundin eines gemeinsamen Freundes die Haustürschlüssel desjenigen besitzt und nun ständig zum Kaffee da ist und ein kleiner dicker Mops wackelt mit seinen kurzen Beinchen über den Gehweg.
An diesem Wochenende war ich viel bei meiner Freundin, erst zum Kaffee trinken, dann abends auf ein Glas Sekt und ein gutes Gespräch und vorhin hat sie wunderbar leckere Lasagne für uns zubereitet. So fiel es nicht zu sehr ins Gewicht, dass ich zurzeit nicht in der medialen Welt versinke. Doch wenn sie mir erzählte, sie wolle später fernsehen, war ich schon neidisch. Wie gern würde ich den Tag ebenso mit einem guten Film enden lassen. Oder sie sprach ein Thema an, bei dem ich mir dachte "Ach, da muss ich doch nacher gleich mal im Netz nachgucken, was Google dazu sagt." Bis mir wie ein Blitz ins Gehirn schoss "Ich habe ja gar kein Google...". Und mein schöner Gedankensplitter zerbrach wie Glas in tausend kleine Scherben....
Trotz allem muss ich sagen, dass es mir jetzt nicht schlecht geht, obwohl ich mich schon frage, wenn ich von der Arbeit nachhause gehe und weiß, ich werde allein sein, wie es wohl sein wird. Wohl ist mir bei diesem Gedanken nicht, denn ich gebe zu, dass mich schon ein wenig die Angst packt, wie diese Zeit allein sein wird. Werde ich gute oder eher depressive Gedanken haben? Vor letzteren fürchte ich mich schon, obwohl ich alle bisher gut händeln konnte. Warum sollte sich das jetzt ändern? Und einen kleinen Trost habe ich: ich lese derzeit die Biographie von Paulo Coelho, 600 Seiten stark. Ich bin gerade mal in der Hälfte des Buches mit dem Lesen angelangt....

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