Eine Woche nach dem Eklat im
Stadtcafé liegt an einem tiefschwarzen Abend auf Fräulein Pummis Schreibpult
ein mehrfach gefaltetes Blatt Papier, das sie bereits wiederholt las.
Es wurde ihr vor einer Stunde von einem Boten überbracht. Nun beleuchtet einzig die Petroleumlampe, die auf dem Fenstersims steht, das Blatt mit den danebenliegenden roten Siegelwachskrümeln, die beim Brechen der Versiegelung entstanden, und die mit schwarzer Tinte geschriebene akkurate Schrift mit ihrem flackernden, sonnenblumengelben Licht.
Es wurde ihr vor einer Stunde von einem Boten überbracht. Nun beleuchtet einzig die Petroleumlampe, die auf dem Fenstersims steht, das Blatt mit den danebenliegenden roten Siegelwachskrümeln, die beim Brechen der Versiegelung entstanden, und die mit schwarzer Tinte geschriebene akkurate Schrift mit ihrem flackernden, sonnenblumengelben Licht.
"Ich breche nicht oft im
Leben einen Schwur. Aber heute tue ich es, obwohl es mir nicht gefällt. Sei es,
weil Du mich einen Feigling nanntest, sei es, weil ich Dich endlich dazu
bringen will, mich zu vergessen. Also schreibe ich Dir, nicht ohne ein Gefühl
des Bereuens.
Ich habe nie verstanden, was Du
von mir willst. Ich bin nicht der Mann, der Dich glücklich machen kann. Ich
sagte Dir schon einmal, es ist besser, mich zu hassen, als mit mir zu leben. Es
würde zwischen uns nie so sein, wie Du es Dir wünschst. Dafür bin ich zu maßlos
in meinen Anforderungen, zu stur und zu unbelehrbar.
War es Schicksal, dass wir uns
begegnen sollten? Vielleicht. Vielleicht war es aber auch nur eines von
mehreren Unglücken, die Einem im Leben widerfahren.
Hätte ich gewusst, was
Seelenverwandtschaft bedeutet, wäre ich Dir schon bei unserer ersten Begegnung
aus dem Weg gegangen. Es heißt, in Dir zu lesen, wie in einem offenen Buch. Nur
was ich dort lese, erschrickt mich zutiefst. Ich sehe mich und mein Leben in
Dir. All die widerlichen Abartigkeiten meines Seins hältst Du mir vor. Und ich
kann mich nicht dagegen wehren. Ich bin ihnen ausgeliefert. Selbst wenn ich
versuche, mich von Dir mit aller Gewalt zu trennen, bist Du immer bei mir,
verfolgst mich im Geiste, lässt mich von Dir träumen und mich nach Dir sehnen.
Ich hasse mich dafür, denn Du hast aus mir einen Mann gemacht, den ich nur
verachten kann. Der nichts mehr von seinem Stolz besitzt, der sich klein und
wertlos vorkommt.
Wenn ich dann am Boden liege,
kommst Du und willst mir aufhelfen, was mich noch kleiner werden lässt und mich
Dich verachten lässt. Du hast für alles Verständnis und ich frage mich
manchmal, ob Du nicht weißt was Du tust. Wie kannst Du einem Mann wie mir
helfen? In Deiner grenzenlosen Güte bist Du immer wieder zur Stelle. Wenn Du
mich dann einmal um etwas bittest, muss ich es Dir abschlagen, weil ich Angst
habe, Dir erneut zu begegnen. Denn meine Liebe zu Dir und die Angst, mich
wiederzuentdecken, lassen mich in einen Abgrund stürzen, aus dem es kein
Entrinnen gibt. Ich bin zu schwach, mich dem zu stellen.
Wenn ich Dir hier schreibe,
dass auch ich Dich liebe und es immer getan habe, weiß ich, dass es eine
befleckte Liebe, also eine wertlose Liebe ist, die durch Nichts reinzuwaschen
ist. Eine Liebe ohne Hingabe, eine Liebe in Angst. Eine Liebe, die schon
zerbrochen war, bevor sie begann.
Du sagst, Du weißt, dass alles
gut werden wird und träumst in deinem verklärten Sein von einer gemeinsamen
Zukunft. Aber ich kann daran nicht glauben. Ich wünschte, es wäre so. Wie aber
soll unsere Zukunft aussehen? Willst Du Dich meinen Grausamkeiten immer wieder
auf´s Neue aussetzen? Bist Du wirklich so masochistisch veranlagt? Das jedoch
kann ich Dir nicht zumuten. Und daher bitte ich Dich, mich endlich zu hassen,
auch wenn ich hoffe, dass Du es nicht tun wirst und mir irgendwann verzeihen
kannst.“
© JanaPetrat
© JanaPetrat
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen