Mein lieber Henry,
es geht uns schlecht, den wir sind tatsächlich bankrott. Papa musste seine Kutschenbauerwerkstatt schließen. In der vergangenen Woche kamen die Herren von der Bank und haben lange mit Papa im Esszimmer gesessen. Als ich kurz hineinsah, war der Tisch gefüllt mit Papieren und dicken Aktenordnern. Ich dachte mir, oh oh, es wird ernst, aber dass es so schlimm um uns steht, hätte ich nicht gedacht.
Drei Geschäftsleute aus der Stadt kamen am Tag darauf zu uns und kauften Papa die Kutschenbauerwerkstatt ab. Er war am Boden zerstört. Den ganzen Tag habe ich ihn nicht gesehen, weil er in seinem Zimmer blieb. Sogar das Essen ließ er sich dort servieren. Minna sagte mir am nächsten Morgen, der Herr Papa habe nichts davon angerürt.
Mit dem Geld, das Papa von den Geschäftsleuten bekam, müssen wir nun unsere Schulden begleichen. Du weißt doch, die große Rechnung, die beim Sattler aufgelaufen ist. Aber Papa sagt, er hat noch immer nicht die gesamte Summe zurückzahlen können.
Es ist alles so schrecklich, Henry. In der nächsten Woche kommen die Leute vom Pfandhaus. Sie wollen schauen, welche Sachen sich in unseren Stuben zum versteigern eignen. Stell Dir vor, das ganze gute Silber, das über Generationen in unserer Familie ist, müssen wir wahrscheinlich hergeben. Und das feine Porzellan, das nur zu den Feiertagen gebraucht wird, dazu die Kristallgläser und die hübsche Figurine, die mir Tante Pauline zu meinem sechzehnten Geburtstag geschenkt hat. Nichts wird mehr bleiben, nichts. Ich bin tief getroffen, Henry.
Aber das Allerschlimmste habe ich Dir noch gar nicht erzählt. Wir werden zu Tante Milly in die Stadt ziehen. Zu Tante Milly! Du kannst Dir mein Entsetzen vorstellen. Zu dieser alten Schreckschraube, die so verstaubt daherkommt, wie ihre alten Lüster an der Decke. Denn, das musst Du auch noch wissen, unser Haus wird ebenso versteigert.
Papa hat gedroht, sich das Leben zu nehmen. Weißt Du, wieviele Ängste ich hier ausstehe? Immer, wenn ich sein Zimmer betrete, habe ich die Furcht, er könnte leblos in seinem Stuhl sitzen. Ich traue mich nicht mehr zu ihm zu gehen. Dauernd hat Papa schlechte Laune. Er lacht nicht mehr und er sieht plötzlich so alt aus. Das alles hat ihn tief getroffen. Er sagte, er habe versagt. Aber das hat er doch gar nicht. Er kann doch nichts dafür, dass diese Welt so komisch geworden ist und dass es plötzlich diese Kutschen ohne Pferde davor gibt. Diese Automobile. Nun gehen die Menschen aus unserem Dorf lieber in die Stadt und kaufen sich solch ein Automobil, weil es schicker ist und mehr hermacht, sagen sie. Solch ein Blödsinn, wie kann ein Ding, das laut knallt und stinkt, schicker sein. Ich verstehe das alles nicht.
Papa meinte noch, eine Ära geht zu Ende. Und ich denke, er hat Recht. Mein Papa arbeitet in der 4. Generation als Kutschenbauer, davor Großvater Frederik, Urgroßvater Edward und Ururgroßvater James, den ich nie kennengelernt habe.
Mama meinte gestern abend, als wir zusammen Strümpfe stopften, wenn wir zu Tante Milly ziehen, werde ich arbeiten müssen. Arbeiten, Henry, ich! Du weißt doch, was für eine Träumerin ich bin. Ich möchte auf Bälle gehen, schöne Kleider tragen, mich von den alten, verknitterten Schachteln, deren Ehemänner im Kabinet sitzen, bewundern lassen. Ich dachte, unser schönes Leben würde auf Ewig so weitergehen. Und nun das.
Ich soll im Krämerladen arbeiten und die Milch, den Zucker, das Brot und das Obst und Gemüse abzählen. Und der Besitzer, Mr. Ford, will mir zeigen, wie ich mit der großen Kasse umgehe. Dann soll ich Leute bedienen, Henry! Dabei haben uns doch immer die Leute bedient. Es ist plötzlich verkehrte Welt hier.
Mrs. Miller, aus dem Laden um die Ecke hat mich gestern ganz mitleidig angesehen, als ich eine neue Borte für meinen alten Mantel kaufte. Und als Mrs. Smith dazukam, begannen sie zu tuscheln. Ich verstand etwas von "Armes Ding, ...die guten Zeiten sind vorbei, ...so schnell kann es kommen im Leben, und: ...ich habe es ja kommen sehen,... die waren immer ein wenig hochnäsig." Dabei waren wir gar nicht hochnäsig. Wir haben Mrs. und Mr. Smith sogar im vergangenen Jahr einen unserer Truthähne gebracht, als die Köchin ihn anbrennen ließ. Die Köchin wurde damals noch vor den Weihnachtstagen entlassen und weil Mrs. Smith dann niemanden mehr hatte, der für sie gekocht hat, hat Mama ihr auch noch geholfen. So sieht es aus. Wir waren nicht hochnäsig. Ich glaube, Mrs. Smith war nur neidisch auf uns, weil wir uns die braune Stute kaufen konnten, die sie so gern gehabt hätte. Das trägt sie uns bis heute nach.
Ich denke die ganze Zeit, was soll nun aus mir werden? Ich kann doch nicht bis zum Ende meiner Tage im Krämerladen arbeiten. Dafür bin ich einfach nicht geschaffen. Und Mama weiß das auch, trotzdem lässt sie nicht mit sich reden. Sie sagt, jeder von uns muss jetzt dazu beitragen, dass wir diese schwierige Situation bewältigen. Selbst sie will wieder Kinder der Kirchgemeinde unterrichten. Und eigentlich wollte sie das nie wieder, weil sie sagt, dass die Kinder von heute so frech sind und keine Manieren kennen. Papa wird wohl oder übel in Onkel Williams Kanzlei arbeiten müssen. Er will das gar nicht, weil er nicht von Familienmitgliedern abhängig sein möchte. Aber auch er hat keine andere Wahl.
Vor meinem Fenster fallen die ersten Schneeflocken in diesem Winter und Du kannst es nicht sehen. Ich werde später nach unten gehen und mit Minna den Baum anputzen. So wie jedes Jahr soll es noch einmal sein. Keiner soll Kummer haben, denn jetzt kommt doch die schönste und feierlichste Zeit im Jahr. Weiße Weihnachten, ach, wie ich sie liebe. Und wir werden Bratäpfel im Ofen machen, mit dicken Rosinen und ganz viel Zucker. So, wie ich sie als Kind schon mochte. Minna wird sie aushöhlen und ich werde sie füllen. Es wird wunderbar werden.
Ach, Henry, wie sehr wünschte ich, Du wärst jetzt hier. Dann würden wir zusammen auf meinem großen Bett liegen und uns ansehen und die friedliche Stille der weißen Landschaft in uns aufnehmen. Ich würde, wie ich es so gern mache, über Deine zarten Wangen streichen und in Deine blauen Augen sehen. Wir schmiegen uns dann ganz fest aneinander und lassen uns nie mehr los, bis das Übel vorüber ist, um aufzustehen, als wäre nichts geschehen.
Ich vermisse Dich so, mein Henry. Hoffentlich erreicht Dich der Brief noch rechtzeitig vor Deiner Rückreise aus Indien, damit Du mir eine Antwort senden kannst.
In Liebe
Deine Jane.
Samstag, 8. Dezember 2012
Freitag, 7. Dezember 2012
Gedanken
Dort drüber ist der Friedhof. Graue Grabsteine, fein säuberlich in geraden Linien aufgereiht, ragen aus der nassen Erde. Ich sehe sie seit Jahren, jeden einzelnen Tag, immer wieder der gleiche Anblick.
Aus rauem Stein gemeißelt, hart, unumstürzlich, an einem Platz, der flüchtiger nicht sein könnte, als Wächter von etwas, das nicht mehr bewacht werden muss.
Er markiert ein verloschenes Leben, eine tote Stelle, ein Stück Land, das von den Lebenden begrünt und von den Toten belegen wird. Eine besetzte Stelle, die sich nicht zu besetzen lohnt. Sie dient dem sentimentalen Zweck der Erinnerung der Lebenden an die Toten. Als ob die Menschen sich ausschließlich an diesem Ort erinnern würden, wenn sie sich überhaupt erinnern wollen...
Der Stein wird sie alle überdauern, auch die, die danach kommen. Er als Zeugnis derer, die nicht mehr sind. Ein Vermächtnis, das nicht weniger über denjenigen, dessen Gebeine dort liegen, sagen könnte. Ein eingravierter Name, ein paar Zahlen und eine granitene Grabeinfassung. Merkt denn niemand, dass die Geister derer, die dort liegen, längst in alle Winde verstreut und ihr Fleisch und Blut erstarrt sind bis zum jüngsten Tag? Welch ein Zirkus für ein vergangenes Leben.
Und dort, dort tanzen im Wind herbstlich-gelbe Blätter, fünf an der Zahl, aufgetürmt zu einem, so scheint es mir, krinolinengestärken Rock. Blätter, die mehr Leben in sich tragen, als dieser ganze Platz mit seinen Steinen und seiner Erde je in sich haben wird. Ein Totentanz.
Während ich den Blättern zusehe, kommt mir sofort das Bild meiner einstigen Lehrerin, Mrs. Cratchet, in den Sinn. Diese ernste, verbitterte Frau mit ihren gestärkten weißen Spitzenblusen, ihren langen schwarzen Röcken und ihren blank geputzten Schuhen. Eine Frau, die zu Lebzeiten schon den Eindruck einer wandelnden Leiche vermittelte. Abgemagert, blass und mit einer Haut, die aus Pergament zu sein schien, denn wir Kinder konnten einst ihre Adern darunter erkennen. Immer trug sie ein Monokel im rechten Auge, immer einen Rohrstock, von dem sie auch eifrig Gebrauch zu machen pflegte. Ich habe sie gehasst, wir haben sie gehasst. Sie wurde "die Hexe" genannt. Zu recht, denn ihr Geist scheint noch immer lebendig zu sein.
Die Blätter fallen taumelnd in sich zusammen und verwehen in Gänge und auf Gräber, um dort mit letzten Zuckungen reglos liegen zu bleiben.
Von Osten her ist Wind aufgekommen, der mit der Zeit an Stärke gewann und den Regen vor sich trieb, der nun in großen, schweren Tropfen vom Himmel fällt, um auf der Erde der Gräber Pfützen zu bilden. Das Wasser kräuselt sich in schneller rhythmischer Reihenfolge und es sieht aus, als würde es einen Takt vorgeben, gleich dem von Pferdegetrappel, das ich in der Ferne zu hören vernehme.
Wäre ich dort, so würde ich mich, bar jedes Mantels, nur in meinen Kleidern, auf eines der Gräber legen. Ich nehme die nasse Erde in meine ebenso nassen Hände, spüre ihre Klumpen darin und lasse sie teilweise zurück auf das Grab bröckeln. Das Wasser durchweicht den Stoff, benässt meine Haut. Ich beginne zu frieren und versuche, den Regen wegzublinzeln, der in meine Augen trifft. Auf meinen Wangen perlt das Wasser vorerst ab, dann aber rinnt es nur noch herunter auf die braune Erde. Meine Haare durchweichen und hängen klebend in Strähnen bis zur Brust an meinem blau-weißen Kleid. Ich halte mich noch immer an der Erde fest, doch ein wenig später greifen meine Hände an den grauen, körnigen Stein. Ich presse mich fest dagegen, als wolle ich testen, ob er meinem Gewicht standhält und fahre mit den Handinnenflächen solange darüber bis sie bluten. Das rote Blut auf dem grauen Stein. Ein Fleck entsteht, erst ist er noch klein, doch dann wird er größer, flüssiger, flüchtiger. Flüssigkeit vermengt sich mit Flüssigkeit, Wasser mit Blut. Der Regen wäscht den scharlachroten Fleck weg, trägt ihn fort auf den Boden.
Die Bäume, durch das Wasser zu schwarzen Geistern geworden, gepeitscht vom Regen, biegen ihre Äste nach Westen, nach oben und nach unten. Sie zappeln und rappeln sich, als wollten sie entfliehen, weg von hier, von dieser Trostlosigkeit, in eine andere Welt. Schnell weg, entwurzelt und frei, weg ans Licht. Doch sie scheinen sich arg zu quälen. Wissen sie denn nicht, dass es für sie kein Entkommen gibt? Dass sie immer auf diesen Ort der vermeintlich friedlichen Ruhe ausharren werden, um wieder und wieder vom Regen gepeitscht und vom Wind verstoßen zu werden?.
Ich sehe das alles, seit Jahren. Irgendwann werde auch ich dort liegen. So Gott endlich will, lieber früher als später.
Es ist so dumpf, so dumpf...wie dieser Friedhof. Ständig umgibt mich dieses Etwas, ein graues, nicht fassbares, flüchtiges, das meine Empfindungen erdrückt, das mich aber klar diesen inneren Schmerz fühlen lässt.
Hinter mir ist der Kamin. Vielleicht sollte ich mich hineinwerfen, mich den Flammen hingeben, damit ich endlich wieder etwas fühle, in mir und an mir. Ich werde schreien, bis mir die der Atem ausgeht, bis meine Lungen schmerzen, bis mein Herz wie wild in mir schlägt, bis alles in mir so heiß wird, dass ich nichts mehr fühle und ich mich bewusstlos den Flammen überlasse. Die Lebensgeister würden noch einmal in die Hände klatschen, noch einmal aufspringen, um sich zu retten, bevor sie jämmerlich zugrunde gehen. Noch ein einziges Mal würde in meinem Leben etwas passieren, was ich so deutlich wahrnehme, wie schon lange nichts mehr, etwas, das ich wahrlich nie mehr vergessen werde. Ich werde dieses Ereignis mit all meinen Sinnen erleben. Ich werde in die Flammen starren, die mich in blau, weiß und goldgelb in sich aufnehmen werden. Es wird ein Spektakel vor meinen Augen geben. Funken werden sprühen. Meine Haut wird zuerst die wohlige Wärme spüren, die sich alsbald in eine höllische Hitze verwandelt, aus der ich am liebsten entspringen möchte. Doch was wäre dann? Ich würde entstellt in mein altes Leben zurückkehren. Ein Leben, das noch weniger lebenswert als zuvor wäre. Das kann ich nicht tun, also bleibe ich und ergebe mich. Ich rieche verbranntes Fleisch. Ein wahrhaft ekelerregender Gestank nach Haaren und Fett, der allein von mir ausgeht. Ich höre das nervöse Knacke, das mich umgibt. Holzscheite krachen unter meinem Gewicht zusammen, meine Haare knistern, es gibt Verpuffungen, die mir laut um die Ohren knallen.
Mein Geist wird endlich frei sein, er wird jubilierend im Zimmer umherirren und sich dann in alle Himmelsrichtungen verflüchtigen. Es wird ein Fest. Ein letztes.
Doch es gibt kein Fest. Die Gedanken verfliegen und ich stehe wieder inmitten des leeren Raumes. Vor mir der Holztisch, auf dem eine einzelne Petroleumlampe brennt, am Tisch zwei Stühle links und rechts, an der rechten Wand das alte Holzbett, in dem schon meine Großmutter geboren wurde und an der linken Wand das Bücherregal. Über mir das Dachgebälk. Der Raum hält die unerträgliche Stille gefangen. Er ist dunkel, denn die Lampe vermag ihn nicht zu erhellen.
Es ist einer dieser Dezembertage, die nie richtig hell werden, an denen man zur Mittagszeit das Gefühl hat, es wäre bereits vier Uhr am Nachmittag. Grau, trist, einsam, gespenstisch mit einem Hauch Endzeitgefühl in der Luft, das sich nicht verscheuchen lässt.
Ich sehe auch mein Tagebuch im Bücherregal, daneben die Feder im Tintenfass. Ich sollte schreiben, aber ich kann nicht. Jede Bewegung wird mir zur Last. Meine Glieder schmerzen bei der leisesten Zuckung. Mein Kopf ist voll, voller Bedrücktheit, voller Stumpfheit, die mir jegliche Tätigkeit verbietet. Ich habe nicht die Kraft, zum Regal zu gehen, meine Utensilien zu nehmen, mich an den Tisch zu setzen, das Buch an einer leeren Seite aufzuschlagen, die Feder in meine Hand zu nehmen und sie auf´s Papier zu führen. Es erscheint mir alles so mühselig. Ich kann nichts tun, auch wenn es so einfach wäre.
Und so ergebe ich mich der Endzeitstimmung in meinen Gedanken. Düstere Gedanken.
© JanaPetrat
Aus rauem Stein gemeißelt, hart, unumstürzlich, an einem Platz, der flüchtiger nicht sein könnte, als Wächter von etwas, das nicht mehr bewacht werden muss.
Er markiert ein verloschenes Leben, eine tote Stelle, ein Stück Land, das von den Lebenden begrünt und von den Toten belegen wird. Eine besetzte Stelle, die sich nicht zu besetzen lohnt. Sie dient dem sentimentalen Zweck der Erinnerung der Lebenden an die Toten. Als ob die Menschen sich ausschließlich an diesem Ort erinnern würden, wenn sie sich überhaupt erinnern wollen...
Der Stein wird sie alle überdauern, auch die, die danach kommen. Er als Zeugnis derer, die nicht mehr sind. Ein Vermächtnis, das nicht weniger über denjenigen, dessen Gebeine dort liegen, sagen könnte. Ein eingravierter Name, ein paar Zahlen und eine granitene Grabeinfassung. Merkt denn niemand, dass die Geister derer, die dort liegen, längst in alle Winde verstreut und ihr Fleisch und Blut erstarrt sind bis zum jüngsten Tag? Welch ein Zirkus für ein vergangenes Leben.
Und dort, dort tanzen im Wind herbstlich-gelbe Blätter, fünf an der Zahl, aufgetürmt zu einem, so scheint es mir, krinolinengestärken Rock. Blätter, die mehr Leben in sich tragen, als dieser ganze Platz mit seinen Steinen und seiner Erde je in sich haben wird. Ein Totentanz.
Während ich den Blättern zusehe, kommt mir sofort das Bild meiner einstigen Lehrerin, Mrs. Cratchet, in den Sinn. Diese ernste, verbitterte Frau mit ihren gestärkten weißen Spitzenblusen, ihren langen schwarzen Röcken und ihren blank geputzten Schuhen. Eine Frau, die zu Lebzeiten schon den Eindruck einer wandelnden Leiche vermittelte. Abgemagert, blass und mit einer Haut, die aus Pergament zu sein schien, denn wir Kinder konnten einst ihre Adern darunter erkennen. Immer trug sie ein Monokel im rechten Auge, immer einen Rohrstock, von dem sie auch eifrig Gebrauch zu machen pflegte. Ich habe sie gehasst, wir haben sie gehasst. Sie wurde "die Hexe" genannt. Zu recht, denn ihr Geist scheint noch immer lebendig zu sein.
Die Blätter fallen taumelnd in sich zusammen und verwehen in Gänge und auf Gräber, um dort mit letzten Zuckungen reglos liegen zu bleiben.
Von Osten her ist Wind aufgekommen, der mit der Zeit an Stärke gewann und den Regen vor sich trieb, der nun in großen, schweren Tropfen vom Himmel fällt, um auf der Erde der Gräber Pfützen zu bilden. Das Wasser kräuselt sich in schneller rhythmischer Reihenfolge und es sieht aus, als würde es einen Takt vorgeben, gleich dem von Pferdegetrappel, das ich in der Ferne zu hören vernehme.
Wäre ich dort, so würde ich mich, bar jedes Mantels, nur in meinen Kleidern, auf eines der Gräber legen. Ich nehme die nasse Erde in meine ebenso nassen Hände, spüre ihre Klumpen darin und lasse sie teilweise zurück auf das Grab bröckeln. Das Wasser durchweicht den Stoff, benässt meine Haut. Ich beginne zu frieren und versuche, den Regen wegzublinzeln, der in meine Augen trifft. Auf meinen Wangen perlt das Wasser vorerst ab, dann aber rinnt es nur noch herunter auf die braune Erde. Meine Haare durchweichen und hängen klebend in Strähnen bis zur Brust an meinem blau-weißen Kleid. Ich halte mich noch immer an der Erde fest, doch ein wenig später greifen meine Hände an den grauen, körnigen Stein. Ich presse mich fest dagegen, als wolle ich testen, ob er meinem Gewicht standhält und fahre mit den Handinnenflächen solange darüber bis sie bluten. Das rote Blut auf dem grauen Stein. Ein Fleck entsteht, erst ist er noch klein, doch dann wird er größer, flüssiger, flüchtiger. Flüssigkeit vermengt sich mit Flüssigkeit, Wasser mit Blut. Der Regen wäscht den scharlachroten Fleck weg, trägt ihn fort auf den Boden.
Die Bäume, durch das Wasser zu schwarzen Geistern geworden, gepeitscht vom Regen, biegen ihre Äste nach Westen, nach oben und nach unten. Sie zappeln und rappeln sich, als wollten sie entfliehen, weg von hier, von dieser Trostlosigkeit, in eine andere Welt. Schnell weg, entwurzelt und frei, weg ans Licht. Doch sie scheinen sich arg zu quälen. Wissen sie denn nicht, dass es für sie kein Entkommen gibt? Dass sie immer auf diesen Ort der vermeintlich friedlichen Ruhe ausharren werden, um wieder und wieder vom Regen gepeitscht und vom Wind verstoßen zu werden?.
Ich sehe das alles, seit Jahren. Irgendwann werde auch ich dort liegen. So Gott endlich will, lieber früher als später.
Es ist so dumpf, so dumpf...wie dieser Friedhof. Ständig umgibt mich dieses Etwas, ein graues, nicht fassbares, flüchtiges, das meine Empfindungen erdrückt, das mich aber klar diesen inneren Schmerz fühlen lässt.
Hinter mir ist der Kamin. Vielleicht sollte ich mich hineinwerfen, mich den Flammen hingeben, damit ich endlich wieder etwas fühle, in mir und an mir. Ich werde schreien, bis mir die der Atem ausgeht, bis meine Lungen schmerzen, bis mein Herz wie wild in mir schlägt, bis alles in mir so heiß wird, dass ich nichts mehr fühle und ich mich bewusstlos den Flammen überlasse. Die Lebensgeister würden noch einmal in die Hände klatschen, noch einmal aufspringen, um sich zu retten, bevor sie jämmerlich zugrunde gehen. Noch ein einziges Mal würde in meinem Leben etwas passieren, was ich so deutlich wahrnehme, wie schon lange nichts mehr, etwas, das ich wahrlich nie mehr vergessen werde. Ich werde dieses Ereignis mit all meinen Sinnen erleben. Ich werde in die Flammen starren, die mich in blau, weiß und goldgelb in sich aufnehmen werden. Es wird ein Spektakel vor meinen Augen geben. Funken werden sprühen. Meine Haut wird zuerst die wohlige Wärme spüren, die sich alsbald in eine höllische Hitze verwandelt, aus der ich am liebsten entspringen möchte. Doch was wäre dann? Ich würde entstellt in mein altes Leben zurückkehren. Ein Leben, das noch weniger lebenswert als zuvor wäre. Das kann ich nicht tun, also bleibe ich und ergebe mich. Ich rieche verbranntes Fleisch. Ein wahrhaft ekelerregender Gestank nach Haaren und Fett, der allein von mir ausgeht. Ich höre das nervöse Knacke, das mich umgibt. Holzscheite krachen unter meinem Gewicht zusammen, meine Haare knistern, es gibt Verpuffungen, die mir laut um die Ohren knallen.
Mein Geist wird endlich frei sein, er wird jubilierend im Zimmer umherirren und sich dann in alle Himmelsrichtungen verflüchtigen. Es wird ein Fest. Ein letztes.
Doch es gibt kein Fest. Die Gedanken verfliegen und ich stehe wieder inmitten des leeren Raumes. Vor mir der Holztisch, auf dem eine einzelne Petroleumlampe brennt, am Tisch zwei Stühle links und rechts, an der rechten Wand das alte Holzbett, in dem schon meine Großmutter geboren wurde und an der linken Wand das Bücherregal. Über mir das Dachgebälk. Der Raum hält die unerträgliche Stille gefangen. Er ist dunkel, denn die Lampe vermag ihn nicht zu erhellen.
Es ist einer dieser Dezembertage, die nie richtig hell werden, an denen man zur Mittagszeit das Gefühl hat, es wäre bereits vier Uhr am Nachmittag. Grau, trist, einsam, gespenstisch mit einem Hauch Endzeitgefühl in der Luft, das sich nicht verscheuchen lässt.
Ich sehe auch mein Tagebuch im Bücherregal, daneben die Feder im Tintenfass. Ich sollte schreiben, aber ich kann nicht. Jede Bewegung wird mir zur Last. Meine Glieder schmerzen bei der leisesten Zuckung. Mein Kopf ist voll, voller Bedrücktheit, voller Stumpfheit, die mir jegliche Tätigkeit verbietet. Ich habe nicht die Kraft, zum Regal zu gehen, meine Utensilien zu nehmen, mich an den Tisch zu setzen, das Buch an einer leeren Seite aufzuschlagen, die Feder in meine Hand zu nehmen und sie auf´s Papier zu führen. Es erscheint mir alles so mühselig. Ich kann nichts tun, auch wenn es so einfach wäre.
Und so ergebe ich mich der Endzeitstimmung in meinen Gedanken. Düstere Gedanken.
© JanaPetrat
Montag, 26. November 2012
Kapitel 10: Zum letzten Mal im Paradies
Anjali und Vikor sitzen an einem weißen, mit einer Blumenvase mit bunten Frühjahrs- und Sommerblumen geschmückten Tisch, auf dem in der Sonne glitzerndes, poliertes Silberbesteck und weiße Teller liegen.
Kapitel 9: Janita
Nun sitze ich hier in diesem gemütlichen Café, dessen Wände rot gestrichen sind und an denen Schwarz-Weiß-Fotografien alter Filmschauspieler hängen.
Kapitel 8: Miguel
Die Jahre vergehen und Miguel wächst zu einem wunderschönen Mann heran. Seine Haut hat die Farbe von Milchschokolade, seine braunen Augen schimmern undurchdringlich im Sonnenlicht und sein schwarzes Haar erhält einen dunklen Blaustich, wenn er im rechten Licht steht.
Kapitel 7: Zurück im Paradies
"Viktor, Viktor, Viktor! Warum nur, warum hast Du Dich so gehen lassen? Es schmerzt mir in der Seele, dich so zu sehen.",
Freitag, 23. November 2012
Kapitel 6: Viktor
Der Regen fällt in schrägen Strippen auf den dunkelgrauen Asphalt, während sich in den Pfützen auf den Fahrbahnen Blasen bilden und Viktor, gekleidet in einem dem Wetter farblich angepassten hellgrauen Trenchcoat, einer dunkelgrauen Nadelstreifenhose und schwarzen, blank polierten Lederschuhen.
Dienstag, 20. November 2012
Kapitel 5: Anjali
Anjali Sharma war neunzehn Jahre alt, als sie während ihrer Ausbildung im angesehenen Taj-Mahal-Palace-Hotel in Bombai ihren zukünftigen Ehemann Lal kennenlernte.
Freitag, 9. November 2012
Kapitel 4: Zurück im Paradies
"Siehst Du, was habe ich Dir gesagt? Kannst Du hier glückliche Kinder erkennen? Ich nicht. Und deshalb denke ich, es ist besser, sie würden von der Erde verschwinden und sich hier bei uns ein schönes Leben machen. Der eine wird vom Vater gequält, die andere plagen Krankheit und Einsamkeit...Das ist doch kein Kinderleben. Kinder müssen fröhlich sein. So wie wir hier..."
Dienstag, 6. November 2012
Kapitel 3: Miguel
Es ist Mitte Januar des Jahres 1981 und Miguel Fuertes, fünf Jahre alt, sitzt allein in seinem Zimmer, seinen Teddy im Arm, auf seiner Nase prangt eine runde Kinderbrille und auf seinem Schoß liegt "Bootsmann auf der Scholle", ein Kinderbuch, das auf der Buchvorderseite ein kleines Hündchen auf einer Eisscholle inmitten dunkelblauen Wassers zeigt.
Freitag, 2. November 2012
Kapitel 2: Janita
Am kalten Donnerstag Morgen im Januar des Jahres 1981 werde ich, Janita Lempika um 0:05 Uhr geboren. Die Straßen sind menschenleer, es nieselt bereits die ganze Nacht hindurch und kein einziges Auto fährt am Krankenhaus, in dem ich zur Welt komme, vorbei.
Dienstag, 30. Oktober 2012
Kapitel 1: Das Paradies
Still liegt der Fluss da. Hunderte kleiner Sonnenstrahlen bringen das Wasser zum Glitzern wie tausend Sterne am Abendhimmel. Der Himmel ist hellblau, bedeckt von einzelnen Wattewolken. Die hellgelbe Sonne scheint warm und es weht ein leichtes Lüftchen.
Freitag, 27. April 2012
08.03.2012: Das war´s, das ist´s
Zwei Wochen lang gelang es mir, ohne PC, ohne Fernsehen und ohne Radio zu leben, mit Unterbrechungen, bei denen mir zumindest stundenweise ein Internetzugang offeriert war.
01.03.2012: Dian Fossey - Gorillaforscherin
Ich las unlängst einen Artikel über die Primatenforscherin Dian Fossey, der bei mir bezüglich meines Medienkonsums Fragen aufwarf.
29.02.2012: Ach ja, ...
... das waren etwas verwirrende Tage. Ich lernte einen Menschen kennnen, den ich bisher noch nicht persönlich kannte, obwohl ich wusste, dass es ihn gibt und mit diesem Menschen gab es gestern Abend eine spannende Vergangenheitsaufarbeitung des Leben meines Hundes.
27.02.2012: SonntagsBlues
Gestern habe ich das erste Mal geschwächelt. Ich saß in meinem Zimmer und las, so lange, bis ich schon keine Lust mehr dazu hatte. Immer wieder kam mir der Gedanke, dass ich am Montag nicht meine Lieblingsserie schauen kann und es auch künftig nicht kann.
26.02.2012: Isch ´abe gar kein Guugel
Als ich klein war und morgens die Sonne durch die zugezogene Gardinen in meinem Kinderzimmer schien, lag ich manchmal einfach nur da und sah mir die hellen, gelben "Sonnenflecken" auf dem Teppich an oder nahm die schöne Stille wahr, die an einem Morgen herrscht, wenn die Eltern im Nebenzimmer noch schlafen.
24.02.2012: Abhängigkeiten
Wir Menschen sind von vielem abhängig, um überhaupt ein Leben führen zu können. Das wäre zum einen die Sonne.
23.02.2012: Weltensturz
Als Vorbemerkung zu den nun folgenden Texten möchte ich erwähnen, dass diese Zeilen zur damaligen Zeit zuerst auf Facebook veröffentlicht wurden und sich zur oben genannten Zeit abspielten.
Der heutige Mensch bewegt sich meiner Meinung nach in 3 Welten: der "realen Welt", in der wir arbeiten, essen, schlafen, uns verabreden, Musik hören, lesen, schreiben, Urlaub machen....
Der Welt des Geistes, in dem unsere Gedanken und Gefühle zuhause sind, in der Träume entstehen und Hoffnungen zerbrechen.
Und der digitalen Welt, in der gechattet, gespielt, erzählt, gepostet, geliked und kommentiert wird.
Wir sind so an diese Welten gewöhnt, dass wir es uns nicht mehr vorstellen können, wie es ist, wenn eine dieser Welten nicht mehr da ist oder sich in frappierender Weise ändert.
Und eine dieser Welten brach gestern abend teilweise vollständig für mich zusammen. Mein Laptop fiel vom Tisch und gab keinen Mucks mehr von sich, egal was ich auch versuchte. Das zweite Mal innerhalb von eineinhalb Jahren. Ein Verlust nicht nur materieller Art, wie mir bereits gestern bewusst wurde und mir heute schwer ins Gesicht schlug.
Jetzt werdet ihr entgegnen: "Wo ist das Problem, stell´den Fernseher an und schalte in der anderen Zeit das Radio bis du ein geeignetes neues Laptopmodel gefunden hast." Ja, das würde ich gern tun, wenn ich denn einen Fernseher und ein Radio hätte. Habe ich aber nicht. Den Fernseher habe ich vor ca. 1,5 Jahren abgeschafft und ein Radio habe ich schon seit viel längerer Zeit nicht mehr.
Ich möchte jetzt nicht anregen, dass ihr mir Zuschriften sendet, wie ich meinen Laptop wieder in Ordnung bekomme. Oder mir Vorschläge schreibt, welches ein geeignetes nächstes Model sein könnte. Nein, hier geht es um eine ganz andere Problematik: das Problem der Abhängigkeit und was passiert, wenn eine "Droge" nicht mehr zur Verfügung steht. Wie verhält man sich, was sind die Auswirkungen eines Lebens ohne Fernseher, Radio und ohne Laptop, der die ersten beiden vollständig ersetzte.
Normalerweise vermisst man einen Laptop am Tag nicht wirklich. Man ist abgelenkt durch die Arbeit oder andere Aktivitäten. Aber was passiert am Abend, an dem man sich einen Film oder eine Episode einer Serie zum Anschauen aussucht oder sinnverloren auf Youtube surft?
Aus diesem Grund habe ich mich zu einem kleinen Experiment entschlossen. Ich möchte zuhause einen Monat lang OHNE Laptop auskommen. Wie werde ich mich verhalten? Hat dieses Entzugsverhalten Auswirkungen auf mein tägliches Leben? Wenn ja, welches? Es wird sicher interessant werden, nur auf die eigenen Sinne und seine natürliche Umgebung konzentriert zu sein.
Passender könnte der jetzige Zeitpunkt nicht sein, denn gerade begann ich, in Eckhart Tolles Buch "Jetzt!..." zu lesen. Ein Buch, in dem es darum geht, einfach zu sein und sich nicht immer von Gedanken ablenken zu lassen. Nun kann ich seine Ratschläge also teilweise in die Tat umsetzen.
Damit ihr Euch nicht wundert, es ist mir weiterhin möglich, zumindest am Tage einen PC zu nutzen und aus diesem Grund entschloss ich mich, ein wenig Buch über dieses Experiment zu führen und Euch daran teilhaben zu lassen. Auch besitze ich ein Smartphone (God save the smartphones ;)) ), sodass ich auch am Abend einen Blick zu Facebook wagen kann. Aber es wird mir nicht mehr möglich sein, Filme zu schauen oder lange Youtube-keiner-schaut-zu-und-ich-singe-und-tanze-in-meinem-Zimmer-Abende zu verbringen. Auch habe ich nicht endlos Musik auf diesem kleinen Fast-Alleskönner. Aus, vorbei...fast alles.
Mein Experiment beginnt heute und endet, so ich es durchhalte, am 23. März 2012.
Mittwoch, 25. April 2012
XVIII: Das Ende von Manuris und Feechens Geschichte
Manuri und Feechen beugen sich über die Holzwiege, die sich in der kleinen Dienstbotenunterkunft hinter einem englischen Herrenhaus in Delhi befindet.
XVII: Manuris und Feechens Erkundungsreise
Die Tage an Bord der "Arabia" eilen dahin.
Feechen und Manuri bewohnen eine große Kabine, bestehend aus einem gemeinsamen Wohnraum und zwei Kajüten, in denen jeweils ein großes Himmelbett Platz hat. Zwei Bäder schließen an die Schlafgemächer an.
XVI: Fräulein Pummis Entführung gen Süden
Fräulein Pummi sitzt in einem Einspänner und sieht dabei zu, wie Stadthäuser im viktorianischen Stil an ihr vorbeiziehen. Eine Dame tritt aus einem dieser Häuser und spannt ihren Sonnenschirm auf, während sie die Steinstufen hinunter auf den Gehsteig tritt.
XV: Herr Chilli bricht seine selbstauferlegten Schwur
Eine Woche nach dem Eklat im
Stadtcafé liegt an einem tiefschwarzen Abend auf Fräulein Pummis Schreibpult
ein mehrfach gefaltetes Blatt Papier, das sie bereits wiederholt las.
XIV: Ein himmlischer Tag, an dem Fräulein Pummi die Engelein "Hallelujah" singen hört und Herr Chilli in die Luft geht
Das Stadtcafé liegt gegenüber
des Gemeindeparks und erinnert an so sonnigen Stunden, wie an diesem
Samstagnachmittag, an ein Café an der Italienischen Riviera, vor dem sich gut
betuchte Menschen sonnen, Pärchen wild gestikulierend miteinander reden, Mütter
mit ihren Kindern Kuchen essen und ihnen beim miteinander spielen zusehen, oder
alte, dickbäuchige Männer die Tageszeitung lesen und dabei einen starken
Kaffee genießen.
XIII: Herrn Chillis Samstagmorgenfrühstück
Herr Chilli schlurft im
Morgenmantel an den großen Tisch im Esszimmer, auf dem bereits Schinken, Ei,
sahnige Butter, Käse, Erdbeermarmelade, Leberpastete und Milch auf ihren Verzehr
auf einer weißen Tischdecke neben einer Vase mit einem Strauß aus rosa
erblühten Bauernrosen warten. Weiterhin schmücken feinstes Tafelsilber und
Limoges Porzellan den Tisch.
XII: Fräulein Pummi bekommt einen Brief
Die ersten Sonnenstrahlen eines
frischen Samstagmorgens erhellen den Stadtpark, die Straßen und die Fassaden
der Stadthäuser. Der Himmel ist von einem klaren Hellblau und von einigen
kleinen Cirruswölkchen bedeckt.
XI: Eine freundschaftliche Unterhaltung mit Herrn Chilli
Die "Arabia" ist seit
40 Tagen auf der weiten See unterwegs. Zuerst verließ das Schiff Bombay über
das Arabische Meer und umsegelte Afrika, um dann im Atlantischen Ozean Richtung
Heimat zu schippern.
X: Fräulein Pummis Erlebnisse mit Herrn Berolin
Fräulein Pummi sitzt nach einem
Opernabend mit "La Bohéme" hinter der Bühne des Opernhauses auf
einem Stuhl, während sie auf das Orchester wartet. Es geht in der Nacht nach 6
Monaten Konzertreise endlich nach Hause zurück. Dabei hatte der Sommer ganz
entspannt begonnen...
IX: Mit der Eisenbahn durch Indien - Herr Chilli
Hinter dem Dorf aus Lehmhäusern
erstreckt sich Jaisalmer, die goldene Stadt, gebaut aus Sandstein, deren Fort
in der Abendsonne orange-golden schimmert.
VIII: Fräulein Pummis neuer Schüler
Fräulein Pummi sitzt an ihrem
dunkelbraunen Esstisch in der Küche, vor ihr eine Tasse mit schwarzem indischen
Kaffee, der einer Legende nach von einem Pilger namens Baba Budan in Indien
eingeführt wurde, als er 7 Kaffeesamen aus dem Jemen mitbrachte und sie auf den
Hügeln von Chandragiri säte.
VII: Chicken Masala für Herrn Chilli
Srinagar, eine Stadt im
Fürstenstaat Kaschmir, wurde im dritten Jahrhundert v. Chr. von Kaiser Ashoka,
jenem Kaiser, der dereinst mit äußerster Härte vorging, sein Reich zu erweitern
und später zum Buddhismus konvertierte, um sich fortan der Friedensförderung zu
widmen, gegründet.
VI: Fräulein Pummis Glas in Ehren
"... Ganz ehrlich,
Herzchen, der Mann verarscht dich! ´Mal eine längere Zeit warten und dann sehen
wie es weitergeht?!´ Also wirklich, so was habe ich noch nie gehört und das ist
Schwachsinn!
V: Herrn Chillis Nacht der langen Schatten
Es ist Abend. Im Kamin knackt
das Feuer auf den Holzscheiten und dessen Flammen erzeugen Schatten
eines Ohrensessels, in dem Herr Chilli Platz genommen hat, an den Wänden des
Leseraumes in Herrn Chillis Haus. Auf einem runden Beistelltischchen befinden
sich eine Karaffe mit Wasser, sowie ein Kristallglas gefüllt mit einem
doppelten Whiskey.
Dienstag, 24. April 2012
IV: Fräulein Pummi kommt spielend durch den Tag
ding, ding, ding, pling, pling
Wie Glas, das von einem
metallenen Gegenstand berührt wird, klingen die zarten Töne durch das
Musizierzimmer.
III: Herr Chilli - der Mann der 1.000 Bücher
Herr Chilli ist ein mächtiger
Mann. Er besitzt das Wissen der Welt und hält es jeden Tag auf´s Neue in seinen
Händen. Sein Wissen ist so mächtig, dass er von den Bürgern seiner Stadt jeden
Tag um Rat gefragt wird und er sein Wissen gern mit ihnen teilt.
II: Fräulein Pummi versucht, einen Brief zu schreiben
Ein schwerer roter Samtvorhang
hängt gefältelt und mit gelbgoldenen Kordeln verziert am Fenster herab. Vor dem
Fenster, durch das die Nacht scheint, die die Landschaft in ein dunkles
blau-schwarz taucht, ist ein großer, kirschholzfarbener Schreibtisch
aufgestellt, auf dem eine erleuchtete Petroleumlampe ihren Platz hat.
I: Herr Chilli beobachtet die Welt
Herr Chilli ist ein schlanker
feiner Mann, bekleidet mit einem grauen Mantel, einer schwarzen, korrekt
gebügelten Hose und glänzenden schwarzen Lederschuhen. Auf seinem Kopf trägt er
einen grauen Hut und neben ihm steht die braune Aktentasche mit dem goldenen,
viereckigen Verschluss.
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